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Blühe da wo du gepflanzt bist

26. Juli 2022

Den Satz höre ich sehr oft. Vor allem in der christlichen Szene. 

Ja, voll gut und, ja, auch so tief. Ähnlich wie der Satz „Know your Season: Erkenne, was heute für dich dran ist; nehme wahr und nehme an, was dein Platz ist.

Doch ich finde, das ist gar nicht so einfach, denn ich merke, ich bin oft überall, aber nicht hier. 

Nicht hier. Hier bei mir. Hier in meiner Gemeinde. Hier in meinen Beziehungen. Hier in meiner Nachbarschaft. Ich bin so oft woanders. Was auch nicht unbedingt schlecht sein muss. Ich kenne viele tolle Leute, die nicht hier sind. Ich kenne tolle Projekte, die Kilometer entfernt sind und von denen ich gern Teil wäre. Doch wie kommt das? Ich nehme wahr, dass ich gerade durch die Möglichkeiten wie Telegram, WhatsApp, Instagram usw. mit nur ein paar Klicks die Möglichkeit habe, in andere Leben einzutauchen. Ich kann mitbekommen, was Menschen Kilometer weit weg beschäftigt … doch alles durch mein Handy. 

made by Luise Sawadsky

Blühe da, wo du gepflanzt bist. Ein Satz, der mir sagt: Ronja, du kannst nicht auf allen Hochzeiten gleichzeitig tanzen.
Dieser Satz ist auch mit so viel Weisheit gefüllt: Ich KANN nicht überall zugleich blühen.

Das ist unmenschlich, auch wenn uns die Medien weismachen wollen, dass alles möglich ist. Wir können Maschinen sein, wir können ein Tempo halten, das ungesund ist … Das sagt uns die Welt. Schneller und immer mehr … aber weniger intensiv.
Ganz realistisch merke ich nämlich, dass ich das alles gar nicht kann. Ich bin Mama, Ehefrau, Gemeindemitglied, Nachbarin, Tochter, Schwester, Selbstständige … – und das ist so so viel! Ronja, DAS ist so viel! 

Ich muss ganz neu lernen oder neee … mal wieder lernen, HIER zu sein. Oder auch einen guten Umgang damit zu finden, was ich wann nutze und in Anspruch nehme. Was und wie kommuniziere ich über mein Handy und wo dürfen wir auch ganz klar sagen, ICH MUSS gar nichts?!

Blühe da, wo du gepflanzt bist.

Heute sehne ich mich nach dem HIER.

HIER meinen Platz einzunehmen.

HIER die Menschen zu sehen.

HIER einen Unterschied zu machen.

Das ist so vielleicht viel weniger als vorher. Aber was, wenn das jeder machen würde?!? 

Lass uns nicht bei diesem schönen Satz vom Anfang stehen bleiben – von dem wir alle wissen, dass es doch wirklich wunderbar wäre, das wirklich zu können.
Lass uns Schritte gehen.
Ja, mutige Schritte, Dinge zu verändern.
Ich überlege wirklich, ob ich mir ein Festnetz-Telefon zulege. Ja, wir haben keins, denn es geht ja alles über das Handy.
Doch so sehr ich die Möglichkeiten heute schätze, saugen sie mich auch aus. 

Ich will blühen und nicht zerrissen sein.

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