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BESCHENKT

7. August 2021

Ich blicke zurück …


Am 08. Dezember 2021 ging es für uns in Krankenhaus.
Viele Wochen sollten wir nun dort verbringen.
Ein langer Weg und doch war ich froh, dass wir diesen Weg endlich gehen durften. Wir hatten endlich einen passenden Spender für unseren Sohn und warteten nun schon seit vier Jahren auf Klarheit.

Nun war es endlich soweit und gleichzeitig war es eine Zeit, die mein Herz zerriss. 

Und doch war es eine Zeit, in der ich heute RÜCKBLICKEND erkennen darf, wie beschenkt ich bin.

„Um mich herum sitzen Mütter und Väter und halten die Hände ihrer Kinder, die ebenfalls wie (ich setze hier jetzt mal den Namen meines Sohnes ein) Manoah langsam aus der Narkose erwachen … Und während ich mein eigenes Kind anschaue, wird es mir klar: WIR SIND BESCHENKTE, wir alle in diesem Raum. Denn wir durften durch all den Schmerz das Wesentliche erkennen, in diesem Moment zwischen tönenden Geräuschen, mit Desinfektionsgeruch in der Nase haben wir es verstanden: LIEBE

Die Liebe ist der Schlüssel“

Katharina Weck aus ihrem Buch Der Chemoritter am Küchentisch 

Jedes Mal, wenn ich dieses Buch weiterlese, schaffe ich höchstens zehn Seiten, dann muss ich pausieren, aufatmen, denn sie hat so recht … Sie deckt so vieles in meinem Herzen auf, findet Worte für Situationen, Gefühle, die ich meinen Mitmenschen selbst nie kommunizieren konnte.

Ich habe all diese Wochen im Krankenhaus keine intensive Zeit mit meiner Familie (und noch weniger mit meinen Freunden) gehabt . Ich hatte keine Zeit für Aktivitäten, für Kreatives, für Aufgaben, in denen ich zeigen konnte, dass ich etwas kann. Ich musste auf Null herunterfahren. Nichts war gerade wichtiger.

Was wichtig war, war gerade einfach da zu sein.

An Manoahs Bett zu sitzen und seine Hand zu halten. 

Und genau das lässt mich eine Beschenkte sein.

In dieser Zeit wurde es so unglaublich ruhig um mich herum, sodass es manchmal beinahe nicht auszuhalten war. Doch in dieser Ruhe, in diesem „nur hier sein“, erfuhr ich, was Liebe ist. Nicht nur meinem Sohn die Liebe weiterzugeben, sondern sich noch viel mehr von Gott lieben zu lassen. Er liebt mich. Auch wenn ich nicht überall dabei bin. Er liebt mich, auch wenn ich schwach bin. Er liebt mich so sehr, dass ich an Manoahs Bett sitzen und Dankbarkeit empfinden kann, die nur er geben kann. Er liebt mich so sehr, dass er mir die Zusage gibt: ICH BIN DA und lasse dich niemals los. 

In diesen Momenten, in denen ich dachte, ich verpasse das ganze Leben, veränderte sich mein Blickwinkel und ich sah die Menschen um mich herum von einer anderen Seite. Denn in Wirklichkeit sind es die, die umherlaufen, nach dem Wind haschen, undankbar sind … sie sind es, die das Leben verpassen, obwohl sie aus menschlicher Sicht doch mitten im Leben stehen. 

Diese Erkenntnis machte mich nachdenklich und traf mich. Denn ICH war eine von denen, die nie DA SEIN konnten. Die alles Mögliche tat, busy war, umherlief – und dabei das Privileg der Ruhe, der Stille, den Blick auf das Wesentliche verlor. 

Was zählt im Leben wirklich?

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