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Du bist berufen, immer!

17. Oktober 2020

Ein Gastbeitrag von meiner lieben Freundin Ira. Sie ist mir ein absolutes Vorbild im Thema Nächstenliebe. Sie SIEHT den Nächsten. Ob Postbote, jemand in der Bahn, eine enge Freundin oder ihren Ehemann – sie trägt so viel Liebe in sich, die ECHT ist und schaufelt sich immer Zeit für Menschen frei, die echte Begegnung schätzen.


Hallo lieber Leser*Innen von Ronjas Blog.

Es freut mich Dir einige Gedanken mitgeben zu dürfen. Ich hoffe Du kannst meinen Gedanken, die ich an Dich richte, folgen und hoffentlich etwas Ermutigendes mitnehmen. Nun ist es schon einige Monate her, dass Ronja mich fragte, ob ich diesen Text schreibe und so sehr mir Berufung am Herzen liegt, musste ich vorher durch einen erneuten persönlichen Prozess.

Eins wurde mir nochmal klar: Deine Berufung und Deine Gaben gehen Hand in Hand. 

Oft sind wir bemüht unsere Gaben in Attributen zu suchen, die uns andere vorschlagen. Ja, manchmal sogar ungewollt vorschreiben bzw. zuschreiben. Wie oft bleiben die Fähigkeiten von Männern und Frauen auf Grund von Stereotypen auf der Strecke liegen?

Ich bin eine Frau, die gerne redet und andere mitreißen möchte. Ich bin aber auch eine Frau, die aber genauso gerne fragt, zuhört und beobachtet. Aber all das, möchte ich selbst entscheiden. Als Kind begegnete mir immer wieder der Satz, dass doch ein liebes, gutes Mädchen still und ruhig sei. Ich bin kläglich gescheitert dieses liebe, gute und stille Mädchen zu sein. Bin ich froh darüber! Sonst würde ich vieles von dem, was ich heute tue, nicht tun.

John Eldrege, ein Autor, den ich sehr schätze, appelliert an die Männer und schreibt nieder:

,,Frage dich nicht, was die Welt braucht. Frage dich lieber, was dich lebendig macht, und dann geh hin und tu das Entsprechende.“ 

John Eldrege

Dieser Satz berührt mich zutiefst. Aber ich finde er gilt allen Menschen, nicht nur einem Geschlecht.

Was macht dich lebendig? Wo blühst du auf? Was tust aus tiefster Freude und Überzeugung?

Diese Fragen können überfordernd sein. Sie bedeuteten nicht, dass jede Handlung und jede Tat uns erfüllen muss. Wir haben alle Grundbedürfnisse. Es soll Menschen geben, die nicht wie die Frühaufsteher unter euch gerne um 5.30 aufstehen 🙂 Trotzdem gehen sie arbeiten. Das frühe Aufstehen erfüllt sie nicht auf einer ideellen Ebene. Aber es deckt ein Grundbedürfnis ab. Das Bedürfnis danach seine Lebenskosten decken zu können und sich eine Existenz zu sichern. Also stehen wir morgens (meistens 🙂 ) auf.

Aber das Ideal in allen Bereichen unseres Lebens unsere Selbstverwirklichung zu leben, ist zu hoch gegriffen. Vielleicht eine Illusion, die uns auf Social Media verkörpert wird. Vielmehr kreiert sie einen unrealistischen Anspruch. Die eigene Berufung zu leben, setzt uns und andere vielmehr frei.

1) Die eigene Berufung zu leben, bedeutet deine Stärken zu stärken.

2) Die eigene Berufung stellt sich dem Hindernis der Angst.

3) Die eigene Berufung zu leben schafft ganzheitliche Sinnhaftigkeit.


Wie funktioniert das?

1. Stärken stärken
Investiere dort, wo du gut bist. Das ist die gute Nachricht. Du darfst in deine Stärken investieren. Stärken, stärken. Unsere Schwächen, die müssen uns nicht einholen, aber manchmal genügt es sie einfach ,,nur“ in den Griff kriegen. Denn da entsteht Freiheit. Ein Glück muss ich nicht erstklassig Geige spielen können, krasse Torten backen können oder Computerprofi sein.

Manchmal fragen Menschen mich wie ich in so vielen Projekten gleichzeitig aufgehen kann. Die Antwort ist einfach. Ich bin einfach keine Perfektionistin. Ich gebe mein Bestes und dann gebe ich es bei Gott ab und grenze mich davon ab.

2. Die Angst
Was hält dich davon ab Freiheit in deinen Aufgaben zu erleben? Gibt es Hindernisse in deiner Berufung? Gedanken oder Herausforderungen, die dir Angst machen?
Es ist okay Dinge anzupacken vor denen wir Angst haben. Oftmals sind es genau diese Dinge, in denen wir dann über uns hinauswachsen. Das durfte ich und musste ich ganz klar lernen in letzten Wochen: Es ist okay Dinge zu tun vor denen wir Angst haben. Es ist okay, wenn wir menschlich gesehen versagen und die Dinge nicht klappen und funktionieren, wie wir sie uns vorgestellt haben. Mein Weg zum Ziel ist zwar nicht von Perfektionismus geprägt, aber ich will meine Ziele zu 100 % jedes Mal erreichen. Mir fällt es dann schwer auszuhalten, wenn meine Ziele nicht erreicht wurden. Deswegen schrecke ich ab und an auch zurück, Dinge anzupacken. Deswegen bleibe ich oft unter meinen Möglichkeiten, weil die Angst das Ziel nicht zu erreichen, zu hoch liegt. Aber ich mache mich immer mehr frei davon und beginne Dinge zu tun, die mich wachsen lassen, die ich mir selbst nicht zugetraut hätte, aber die Gott mir zutraut.

3. Ganzheitliche Sinnhaftigkeit
Sünde heißt die Verfehlung! Verrückt oder? Wenn wir das Ziel verfehlen, leben wir an dem vorbei, was wir eigentlich tun sollten und wofür wir eigentlich bestimmt sind. Das bedeutet für mich in meiner Berufung zu leben. Es bedeutet für mich aus einem tiefen Sinn heraus mein Handeln und mein Reden zu gestalten.
Dafür muss ich keine Chefin, Leiterin oder den perfekten Job haben, das kann der Fall sein. Aber ich kann all diese sein, auch wenn Krankheit oder Arbeitslosigkeit mein Leben einholen.

Ich wünsche mir von Herzen, dass Menschen in meiner Gegenwart Annahme erleben.

Sie sollen sich geliebt wissen und sich entfalten können. Ich will, dass Menschen sich in ihrem Wert in meiner Gegenwart geachtet fühlen. Ich möchte ihren Charakter verstehen und ich will Nährboden für das Aufblühen ihrer Gaben sein. Ich möchte Menschen ganz radikal lieben. Ich wünsche mir ihnen so viel Liebe entgegenzubringen, unabhängig davon, ob ich sie kenne oder ob mir diese Beziehung einen Nutzen schenkt. 

Dann lebe ich in meiner persönlichen Berufung.

Ich weiß aber vor allem, dass ich all dies nicht aus meiner eigenen Kraft heraustun kann. Meine Hoffnung ist, dass diese Liebe Menschen stutzig macht und sie bewegt sind danach zu fragen, woher diese Annahme kommt und sie ihren Schöpfer kennenlernen, der sie liebt und für sie bis ans Kreuz geht. 

Um das Leben zu können, muss ich mit all meinen Fehler und Schwächen zu Gott gehen. Mit all meinen Ängsten, selbst zu kurz zu kommen, zu ihm hingehen und mich darin wiegen, dass in ihm alle meine Bedürfnisse gestillt sind. Das empfinde ich als große Handlungsoption und Herausforderung zugleich.

Ira Schneider, lebt mit ihrem Mann in Hannover, studiert Lehramt, Paarberatung und arbeitet in der Schreibberatung

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